Fleischesser sterben früher? Einige Studien in der Kritik

Hamburger gibt es natürlich auch in leckeren veganen Varianten.

Hamburger gibt es natürlich auch in leckeren veganen Varianten.

Hier geht es nicht um den neuartigen Krieg zwischen Veganern und Fleischessern, welche mit Argumenten und vermeintlichem Fachwissen nur so um sich werfen. Es geht auch nicht um ethische Aspekte des Fleischkonsums und das Leid der Tiere, wie viel Wasser oder Land verbraucht wird oder ob Menschen durch unseren Fleischkonsum hungern müssen. Ich denke, dass hier jeder die entsprechenden Bilder kennt, die bei industrieller Tierhaltung, Fleischproduktion oder Pelzproduktion anfallen. Den Fleischkonsum generell zu minimieren bietet hier natürlich einige Vorteile.

Aber wie sieht es mit den gesundheitlichen Begründungen aus, kein Fleisch mehr zu konsumieren? Antibiotika ist natürlich ein generelles Thema, wessen sich jeder Bewusst sein sollte. Kaufen wir die günstigste Pute, können wir niemals sicher sein, dass sie nicht mit Medikamenten versetzt ist. (Bei Bio-Feisch natürlich auch nicht zu 100%). Die Unterschiede in der Qualität machen sich auch bei der Zubereitung bemerkbar. Doch was ist, wenn wir auf die Qualität achten, vom Bauern des Vertrauens direkt kaufen und es nicht dreimal am Tag eine große Menge Fleisch konsumieren?

Hier wird dann häufig trotzdem noch behauptet, dass Fleisch und auch alle anderen tierischen Produkte nicht für den Menschen gemacht sind und schädlich sind. Viele Menschen sind dadurch verunsichert und wissen nicht mehr, was sie essen oder glauben sollen. Immer wieder werden neue vermeintliche Schadstoffe in die Presse gebracht, die in Tierversuchen oder im Reagenzglas an Zellen isoliert eine negative Auswirkung haben. Aber auf den Menschen übertragen lassen sich davon die allerwenigsten. Selbst Vitamin C oder Vitamin A, zeigt in bestimmten Konzentrationen oder isolierten Verabreichungsformen eine negative Auswirkung auf den Körper.

Vorgeschoben werden auch beim Verzehr von tierischen Produkten immer die gleichen Studien. Die wohl bekannteste ist die China Studie (The China Study) und gilt als Grundlage für die vegane Ernährungsweise. Allerdings muss hier schon beachtet werden, dass es sich nicht um die originale ursprüngliche Studie handelt, sondern um eine durch Colin Campbell geschriebenes Buch, in dem er auf seine Weise die Studie interpretiert. Hier ist es auch leicht sich entsprechende Daten zurecht zu legen und bestimmte Faktoren außer acht zu lassen. Ähnliches geschah auch schon bei vorherigen Studien, in der einfach nur Länder mit den passenden Daten ausgewählt worden sind. Ein sehr guter kritischer Artikel findet sich hier: http://rawfoodsos.com/2010/07/07/the-china-study-fact-or-fallac/ .

Hier soll es um eine bestimmte Studie gehen, welche häufig als Begründung genutzt wird, dass tierische Produkte krank machen. „Meat Intake and Mortality – A Prospective Study of Over Half a Million People

Fleisch ist nicht schädlich für den Körper. Die Menge ist entscheidend.

Fleisch ist nicht schädlich für den Körper. Die Menge ist entscheidend.

Leider haben viele selbsternannte Fitness- oder Ernährungsexperten keine wissenschaftliche Ausbildung und lesen meistens nur die Ergebnisse. Alles Andere in der Studie wird dann überlesen oder es werden sich nur die Rosinen rausgepickt. In der Studie ist zum Beispiel zu sehen, dass es bei weißem Fleisch (also Pute etc.) sogar Vorteile gibt. Gerade bei Frauen ergibt sich hier ein umgekehrtes Bild und die Sterberate sinkt sogar mit zunehmendem Verzehr von Fleisch. Aber diese Ergebnisse werden dann verallgemeinert und ALLES an tierischen Produkten ist plötzlich schlecht. Zumal der Anstieg der Sterblichkeitsrate auch eher bei verarbeiteten Fleischprodukten und bei rotem Fleisch eher gering war.

Die Studie zeigt auch einige Schwächen, welche die Autoren selbst im Text ansprechen (den aber kaum jemand liest). Sie erkennen klar auch einen Zusammenhang zwischen hohem Fleischkonsum und anderen gesundheitsgefährdenden Faktoren, wie Rauchen, Alkohol, Stress und sonstige negative Umstände. Nach herausrechnen dieser Faktoren verringert sich der unterschied schon enorm. Fazit der Studie ist also eher, dass Menschen, die auch grundsätzlich mehr Fleisch essen, generell weniger auf ihre Gesundheit achten. Weiterhin wurden auch Fertigprodukte wie Pizza, Hamburger usw. mit einberechnet. Dadurch ergibt sich natürlich eine ungesunde Kombination aus Kohlenhydraten, Transfetten und viel Protein.

Studien sollten immer mit Abstand und genau betrachtet werden. Kritik sollte auch gehört werden.

Studien sollten immer mit Abstand und genau betrachtet werden. Kritik sollte auch gehört werden.

Dies zeigt einfach, dass es aktuell KEINE Studie gibt, die wirklich aufzeigen kann, dass tierische Produkte eine negative Auswirkung auf unserem Körper haben. Es sind immer die verarbeiteten Produkte in Fertigprodukten in Kombination mit Kohlenhydraten und Fett bei einer zu hohen Kalorienaufnahme. Dazu kommen noch die anderen gesundheitsschädlichen Faktoren und Lebensumstände. Glaubt also bitte nicht alles sofort, was ihr auf Youtube oder in Blogs lest, sondern bildet euch eine eigene Meinung oder sucht bei Google auch immer nach Kritiken zur aktuellen Studie. Damit habt ihr selbst die freie Wahl, was ihr glauben wollt.

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