WHO – Fleisch ist krebserregend. Eine neutrale Betrachtung

Die WHO stuft Fleisch als potentiell krebserregend ein.

Die WHO stuft Fleisch als potentiell krebserregend ein.

NEWS 30.10.2015: Die WHO rudert in einem Statement zurück. Nach Kritik aus der Wissenschaft (aus unten genannten Gründen) stellt die WHO klar, dass damit der übermäßige Konsum von Fleisch gemeint ist. Sie erklären auch, dass ein geringer Fleischkonsum sogar krebsvorbeugend ist. Nachzulesen hier. Im Frühjahr sollen hierzu weitere aktuelle Studien ausgewertet werden. Wir sehen also, dass doch nicht alles so schlimm ist. Weiterhin werden keine Zahlen für eine schädliche Mindestmenge und eine Menge genannt, die als „zu viel“ gilt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Montag den 26.10.2015 verarbeitetes Fleisch und rotes Fleisch als Risikofaktor für Darmkrebs eingestuft. Die IARC (Internationale Agentur für Krebsforschung) ist eine Einrichtung der WHO und hat mithilfe von 22 Experten aus 10 Nationen nach eigenen Angaben rund 800 epidemiologische Studien ausgewertet. Auf Grund der Auswertung, wurde verarbeitetes Fleisch (Wurst, Hotdog, Hamburger, getrocknetes und gepökeltes (Nitrit) Fleisch, Fleischsaucen, Gemische aus verschiedenen Fleischsorte) in die Kategorie 1 (mit hoher Wahrscheinlichkeit krebserregend) eingestuft. Rotes Fleisch (Rind, Schwein, Lamm, Pferd, Ziege, Kalb) wurde in die Kategorie 2A (möglicherweise krebserregend) eingestuft.

Welche Daten ergab die Einschätzung?

50g verarbeitetes Fleisch und 100g rotes Fleisch sollen das Darmkrebsrisiko um 18% bzw. 17% erhöhen. Allerdings wird auch mitgeteilt, dass die Datenlage für eine gesicherte Aussagen generell sehr schwach ist. Besonders zu rotem Fleisch gibt es kaum ausreichend Daten. Weiterhin gibt es keine Unterscheidung in Alter und Geschlecht.

Diese Nachricht wurde von viele Veganern zwar nicht überraschend aufgenommen, aber als großer Sieg gefeiert. Viele Verbraucher sind durch diese Neuigkeiten verunsichert, weshalb eine neutrale Betrachtungsweise mit allen Faktoren wichtig ist. Denn generell ist das Risiko an Darmkrebs zu erkranken im Gegensatz zu anderen Krebsarten relativ gering. Pro Jahr gibt es ca:

  • 1 Million Krebstote durch Rauchen
  • 600.000 Krebstote durch Alkohol
  • 200.000 Krebstote durch Luftverschmutzung
  • 34.000 Krebstote möglicherweise durch verarbeitetes Fleisch
Schwarze stellen beim Grillen können krebserregend sein.

Schwarze stellen beim Grillen können krebserregend sein.

Welche Gründe werden für das höhere Risiko genannt?

Die Hintergründe für ein erhöhtes Risiko sind generell nicht genau bekannt und geklärt. Es gibt bis jetzt nur Überlegungen dazu. Einige mögliche Risikofaktoren könnten sein:

  • Braten mit hohen Temperaturen und wenig Fett (pan-frying) in einer heißen Pfanne oder heißen Oberfläche
  • Garen und Braten über offenem Feuer oder Räuchern beim Grillen mit viel Rauch (Schwarze verkohlte Stellen am Fleisch)
  • Zugesetzte chemische Zusatzmittel (Aromastoffe, Klebstoffe, Konservierungsstoffe, besonders Nitrit)
  • Für rohes oder weißes Fleisch gibt es generell keine Korrelationen

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Grundlegende Kritikpunkte

Diese Neuigkeit wurde natürlich in der Wissenschaft diskutiert. Da entsprechende Studien und Überlegungen schon seit Jahren bekannt sind, gibt es auch schon länger entsprechende Kritik:

  • Auswahl der Studien und Auswahlkriterien sind noch nicht vollständig einsehbar > Intransparenz.
  • Arbeitsgruppe (keine Experten der Ernährungswissenschaften) könnten nicht unabhängig sein (selbst Vegetarisch) oder eigene Studien bestätigen wollen.
  • Es gibt in keiner bisherigen Studie einen kausalen Zusammenhang zwischen Fleisch und Krebs. Teilweise sogar gegenläufig.
  • Hamburger, Hot Dogs und andere verarbeiteten Produkte sind keine isolierten Fleischprodukte, sondern enthalten auch viele Trans-Fettsäuren und Kohlenhydrate in Kombination.
  • Viele Wissenschaftler sind sich einig, dass kein isoliertes Lebensmittel alleine betrachtet werden kann und die allgemeinen Lebensumstände wichtiger sind.
  • Andere Faktoren für Krebsrisiko: Alter, Genetik, Übergewicht, sportliche Betätigung, Alkohol, Rauchen etc. Menschen die generell ungesund leben, essen tendenziell mehr Fleisch. Das gesteigerte Krebsrisiko kann deshalb jedoch nicht allein auf den Fleischkonsum zurückzuführen sein.
  • The Nurses‘ Health Study (NHS) und The Health Professionals Follow-up Study (HPFS) fanden sogar einen umgekehrten Zusammenhang zwischen Dickdarmkrebs, ansonsten keinen statistisch relevanten Zusammenhang zu anderen Krebsarten bei vermehrten Fleischkonsum.
  • Die Women’s Health Initiative und the Polyp Prevention Trial (Gold-Standard), zeigen keine Zusammenhang zwischen Fleischreduktion und Krebsrisiko. Wurde vom IARC nicht berücksichtigt.
  • Die Angaben von 50g sind in keiner Studie auch nur annähernd belegt und recht willkürlich gewählt.
  • Weißes Fleisch reduziert in den größten Studien das Sterberisiko sogar. Somit ist Fleisch per se nicht allgemein zu betrachten.
  • Die Prozentangaben sind irreführend. England 2011: 43 Darmkrebsneuerkrankungen pro 10.000 Einwohnern. Wenn das Risiko um 18% steigt wären es 51 pro 10.000 absolutes Risiko. Beim Rauchen liegt das erhöhte Risiko übrigens bei rund 900-1000%.
Hamburger gibt es natürlich auch in leckeren veganen Varianten.

Hamburger gibt es natürlich auch in leckeren gesunden selbstgemachten Varianten.

Die Neuigkeiten sollten also immer in Relation gesehen werden und es bedarf einer neutralen Betrachtungsweise. Fleisch alleine ist in keiner Studie nachgewiesenermaßen krebserregend. Vielmehr gibt es Korrelationen, weil Personen die sich generell ungesund ernähren auch mehr Fleisch essen. (Würden diese Personen tendenziell mehr rote Socken tragen, wäre auch ein Zusammenhang zwischen roten Socken und Krebsrisiko zu finden). Epidemiologische Studien sind generell kein wissenschaftlicher Beweis für einen kausalen Zusammenhang und werden in der Regel auch nicht wissenschaftlich als konkreter Beweis anerkannt. Weiterhin geht es vielmehr um die Inhaltsstoffe und die entsprechende Zubereitung beim Fleisch, nicht um das Fleisch selbst. Weiterhin gibt es sehr viele neue Studien, die hier nicht berücksichtigt worden sind, die sogar einen positiven Effekt von Fleisch nachweisen.

Somit wünsche ich euch viel Spaß beim Steak. Die verarbeiteten Lebensmittel (und dazu gehören auch Hambuger und Co.) sollte generell bei einer gesunden Ernährung gemieden werden. Dazu findet ihr auch genug Informationen in meinem Buch.

Weitere Quellen:

• http://www.who.int/features/qa/cancer-red-meat/en/
• http://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045(15)00444-1/abstract
• http://www.prnewswire.com/news-releases/science-does-not-support-international-agency-opinion-on-red-meat-and-cancer-300165895.html
• http://ajcn.nutrition.org/content/early/2013/07/31/ajcn.113.062638.short

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2 Antworten

  1. Sophie du Mont sagt:

    Es ist schon ein Phänomen, wie Fakten resistent Menschen sein können. Die WHO wollte bereits ein paar Tage früher die Meldung herausgeben, hatte aber noch Kämpfe gegen die Fleischindustrie auszufechten, die schwer protestierten. Logisch, da geht es um extrem viel Geld. Dabei müsste einem der normale Menschenverstand doch sagen, dass das alles nicht mehr gesund sein kann. Bereits 2012 wurden jede Woche 2 Mrd Tiere geschlachtet. Was passiert, wenn man viele Lebewesen auf kleinstem Raum einpfercht? Krankheiten breiten sich aus. Was macht man dagegen? Antibiotika. Die Ausscheidungen der Tiere versickern in unser Trinkwasser, überfluten unseren Boden, es ist einfach viel zu viel. Niemand weiss mehr wohin damit – und wieder gelangt das Antibiotika in unseren Kreislauf. Das Resultat, wir werden Antibiotika resistent. Bereits heute hat das 25 000 Menschen das Leben gekostet, nicht mehr allzu lange und es werden Millionen sein.
    Woher kommt das Futter für die Tiere und das Wasser? Länder, in denen Menschen verhungern, verkaufen ihr Getreide, damit wir es an die Tiere verfüttern können um ein Steak zu geniessen – und das auch noch jeden Tag. Der Regenwald wird abgeholzt um mehr Getreide anzubauen. Die Tiere haben einen gehörigen Einfluss auf unseren Klimawandel ( durch den CO2 Ausstoss), doch dadurch, dass die Bäume abgeholzt werden, können wir nicht mehr viel dagegen halten. Das geht so weiter und dann lese ich immer noch so schlaue Meldungen im Internet, „mir schmeckt mein Fleisch, ich will noch mehr!“. Da kann ich wirklich nur noch antworten, dass ich selten soviel Blödheit gesehen habe.

    • Daniel sagt:

      Du scheinst wohl sehr aggressiv gegenüber neutralen Betrachtern zu sein. Hier geht es um die rein gesundheitliche Betrachtung der Studien und nicht um Ethik, das ist ein ganz anderes Thema und ein anderer Grund kein Fleisch zu essen. Schade, dass du nicht in der Lage bist Dinge neutral zu betrachten um anderen Leuten deine Ernährungsweise näher zu bringen, als sie abzuschrecken. Ich empfehle dir mal mein Video zum Thema Tierschutz, Bio und ethische Aspekte: https://youtu.be/ulXnp3o9kFg. Da wirst du merken, dass ich eigentlich sogar ganz deiner Meinung bin. Und andere Menschen direkt als Blöd zu bezeichnen, zeugt selbst nicht von großer Intelligenz. Eher von Egoismus seine Lebensweise anderen aufzwingen zu wollen. Du kannst dich auch gerne mal über die Rinderhaltung in Irland oder auf deutschen Biohöfen informieren, die Tiere nur mit eigenem Gras füttern. Natürlich ist der Massenkonsum und die industrielle Verarbeitung Umweltschädlich. Das ist jede Massennutzung eines industriellen Produkts. Auch für Soja oder andere pflanzliche Lebensmittel, die immer mehr industriell verarbeitet werden (Palmöl, Tomaten, etc.) werden Wälder gerodet und Mensch und Tier ausgebeutet. Bitte nächstes mal einfach erstmal tief durchatmen und sich mit der Thematik etwas intensiver und weitfassender befassen.

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